Berliner Wirtschaft 5/2018

BERLINER WIRTSCHAFT 05/18 58 NEUE UNTERNEHMEN & MÄRKTE B lumenhandel –was kann daran schon innovativ sein? Das wird bei vielen die erste Reaktion sein, verständlich. Dabei entstehen ge- rade in Berlin viele Geschäftsideen, die die Branche vielleicht nicht revolutio- nieren, aber dennoch fit für die Zukunft machen könnten. Vor Kurzem durften sich die Juroren von „Die Höhle des Lö- wen“ davon überzeugen. Die Mittzwanziger Nina Wegert und Kirishan Selvarajah konnten ein Invest- ment von Dagmar Wöhrl an Land zie- Alles andere als verwelkt: Für junge Gründer und Floristen sind Blumen nicht nur eine Ware, sondern sie stehen auch für Ambiente, Lifestyle und Emotionen » Von Dr. Mateusz Hartwich BLÜHENDE GESCHÄFTE hen. Nachdem sie anderthalb Jahre or- ganisch gewachsen waren, wurde es Zeit für einen Wachstumsschub, sagen die beiden. Ihre Idee: Rosen, nach tradi- tioneller Methode konserviert, in eigens designten und hergestellten Hutschach- teln als Geschenkidee. So gesehen sind Wegert und Selvarajah mehr als Grün- der, die aktuell rasant wachsen. Sie pro- duzieren auf 2.000 Quadratmetern in Berlin-Tempelhof und ziehen dabei klassisches Know-how zurate. „Wir sind sehr froh darüber, dass wir fünf BLUMENHANDEL Vereint Blumenhandel und Innovation: Meister- florist Björn Kroner-Salié setzt auf die klassische Ausbildung ausgebildete Floristen anstellen konnten – das verleiht unserem Produkt Authen- tizität“, sagt NinaWegert, die sich mit Ki- rishan Selvarajah die Geschäftsführung von Grace & Friends teilt. Ohne traditio- nelle handwerkliche Fertigkeiten könnte selbst ein Start-up, das auch dank sei- ner riesigen Präsenz in Social Media und dank Kooperationen mit Influencern ex- pandiert, auf Dauer nicht bestehen. Grundlage bleibt klassische Ausbildung In diesem Punkt wird Björn Kroner-Sa- lié ganz prinzipiell. Quereinsteiger sind herzlich willkommen, aber die Grund- lage bietet die klassische Ausbildung. Deswegen kann sich der international gefragte Meisterflorist, der auch Events mit bundesweiter Ausstrahlung wie den Filmpreis „Lola“ bestückt, auch ei- ne Prüfertätigkeit für die IHK vorstellen. Dass der Nachwuchs für das Thema ge- wonnen und auch das etwas verwelkte Branchenimage aufgefrischt wird, findet der Rheinländer ganz wichtig. Er selbst hat schon angehende Flo- risten aus China unterrichtet, weil die deutsche Ausbildung dort solch ein Re- nommee hat. Kroner-Salié organisiert Workshops und Vorführungen, ist Bot- schafter unterschiedlicher Marken und kürte schon mal das Cover von „Green“, dem Magazin von Fleurop. Mit dem Bild eines angestaubten Blumenladens hat das wenig zu tun. Nicht zuletzt deshalb betreibt er auch keinen. Er arbeitet aus- schließlich im Auftrag, und statt etliche Arbeitsstunden hinterm Verkaufstresen zu stehen, entwickelt er lieber neue kre- ative Ideen wie etwa ein aufwendig ge- staltetes Buch zur Tischkultur. Für ihn sind Blumen nicht bloß Ware, sondern stehen für bestimmte Emotionen, für Lifestyle und Ambiente. Es ist daher kein Zufall, dass Henryk van der Elben in seinem früheren Leben FOTO: SONJA MUELLER/FLEUROP AG

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