Berliner Wirtschaft Februar 2021
Oben: Personal- expertin Ellen Redlich Unten links: Ellen Redlich im Interview mit Redakteur Michael Gneuss Noch immer spielt natürlich auch ein Arbeits- klima, in dem sich die Mitarbeiter wohlfüh- len, eine große Rolle. Wertschätzung können wir unseren Mitarbeitern auch durch eine ansprechende Atmosphäre im Unternehmen entgegenbringen. Wie zeigt sich das? Wir haben dafür ein schickes Mitarbeiterres- taurant. Wir nennen es nicht Kantine, sondern „Casa“. Zum Verweilen in den Pausen haben wir eine „Piazza“. Kaffee gibt es nicht aus dem Automaten, der wird stattdessen von einem echten Barista frisch zubereitet. Wonach fragen die Bewerber für Ausbil- dungsstellen in den Bewerbungsgesprächen? Nach Arbeitszeiten, nach der Vergütung und nach der Tätigkeit fragen sie zum Beispiel. Generell tritt die Generation Z sehr selbstbe- wusst und klar auf, bleibt dabei aber immer angenehm. Es macht Spaß, mit dieser Gene- ration zu arbeiten. ImRahmen der Ausbildung kommen sie mehr auf mich zu, stellen Fragen, suchen nach Unterstützung und erzählen von ihren Erfahrungen. Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Auszubildenden aus? Wir orientieren uns zunächst an den Zeug- nissen und an den Noten in den relevanten Fächern. Ein No-Go sind viele unentschul- digte Fehlzeiten. Wenn wir Bewerber einladen, machen wir mit ihnen einen Wissenstest, fra- gen also Schulwissen ab. Die Leistungen werden in den Schulen sehr unterschiedlich bewertet. Es kann durchaus sein, dass ein Bewerber mit einer Zwei an der einen Schule schlechter ist als der mit einer Vier an einer anderen. Deshalb sind die Tests sehr hilf- reich. Am Ende entscheidet aber der Eindruck im Bewerbungsgespräch. Woran orientieren Sie sich in den Bewerbungsgesprächen? Es muss das Gefühl da sein, dass der Bewerber zum Unternehmen passt. Außerdemwill ich die Motiva- tion spüren. Wir suchen Typen, die zeigen, dass sie unbedingt diesen Beruf erlernen wollen. Wir verlas- sen uns dabei auf unser Gespür. Bei uns entscheiden Menschen und keine Algorithmen. Haben Sie auch schon Erfahrungen mit jun- gen Migranten gemacht, die im Zuge der Flücht- lingswelle des Jahres 2015 nach Deutschland gekommen sind? Ja, das haben wir – und zwar sehr gute. Unsere Azu- bis aus Syrien oder Afrika, die erst seit Kurzem in Deutschland sind, sind sehr motiviert, sehr nett und sehr höflich. Sie zeigen, dass sie unbedingt eine Aus- bildung machen und ihren Platz in der Gesellschaft finden wollen. Die größte Hürde ist meiner Ansicht nach die Sprache. Wo es nötig ist, helfen wir mit Sprachunterricht nach. Welche Rolle spielt bei Ihnen Ausbildung im Unternehmen? Die Ausbildung ist ganz wichtig, weil es imMoment sehr schwierig ist, gute Fachkräfte zu finden. Des- halb gibt es bei uns im Unternehmen einen enor- men Bedarf an den von uns selbst gut ausgebildeten jungen Menschen. Wir bilden also für den eigenen Bedarf aus, und fast alle bleiben auch nach der Aus- bildungszeit im Unternehmen. ■ Stefan Mathews, IHK-Experte für Ausbildung Tel.: 030 / 315 10-451 stefan.mathews@ berlin.ihk.de FOTOS: AMIN AKHTAR, FOTOSTUDIO CHARLOTTENBURG 25 IHK BERLIN | BERLINER WIRTSCHAFT 02 | 2021
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