Berliner Wirtschaft Februar 2021

Junge Menschen möchten flott und frisch angespro- chen werden, aber es darf nie platt werden. Ellen Redlich Über welche Kanäle sprechen Sie potenzielle Bewerber an? Ganz besonders freue ich mich, dass wir oft neue Azubis einstellen, die Freunde oder Verwandte bei uns imUnternehmen haben und sich also auf Emp- fehlungen bei uns beworben haben. Dazu pflegen wir sehr gute Kontakte zu vielen Berliner Schulen, insbesondere zu denen, die viel Wert auf Naturwis- senschaften legen. Wir präsentieren uns dort auf Pro- jekttagen oder Berufsberatungstagen. Das bleibt bei den Schülern offenbar hängen. Wir erleben immer wieder, dass Bewerber in Bewerbungsgesprächen einen unserer Schulbesuche erwähnen. Auf Aus- bildungsmessen sind wir auch mit einem eigenen Stand vertreten. In Corona-Zeiten geht das aber nicht mehr. Wie kompensieren Sie das? Wir sind auch in Printmedien präsent, schalten Anzeigen und beteiligen uns an Sonderbeilagen. Vor zwei Jahren haben wir dafür mithilfe einer Agen- tur unser Erscheinungsbild neu durchgestylt. Wir ruhen uns also nicht auf Erfolgen aus, sondern arbei- ten immer weiter an unserem Image. Printanzeigen sind übrigens auch wichtig, um die Eltern zu errei- chen. Diese Zielgruppe sollte man im Werben um gute Azubis nicht unterschätzen. Und was machen Sie in den sozialen Medien? Dort haben wir keine Aktivitäten im Ausbildungs- marketing. Das ist eine Konzernentscheidung. Es ist meines Wissens aber auch nicht nachgewiesen, dass Kampagnen in den sozialen Medien die Bewer- berzahlen wirklich steigern. Wir haben im digita- len Bereich natürlich eine schicke Karriereseite auf unserer Website, die auch gut besucht ist. Aber die Wirkung würde ich trotzdemnicht überschätzen. Ich glaube, dass der Erstkontakt zu Berlin-Chemie als Ausbildungsstätte so gut wie immer auf ande- ren Kanälen stattfindet und danach erst unser Karrierebereich im Internet aufgesucht wird. Bedienen Sie sich einer besonderen Ansprache, wenn Sie sich als Ausbilder präsentieren? Junge Menschenmöchten flott und frisch ange- sprochen werden, aber es darf nie platt werden. Schließlichwollen sie ernst genommenwerden. Hat sich nach Ihrer Wahrnehmung im Laufe der Zeit die Bedürfnisstruktur der Auszubil- denden verändert? Bei der Vergütung muss bedacht werden, dass wir mitunter auch Auszubildende haben, die schon ein bisschen älter sind, weil sie schon ein Studium angefangen haben, aber dann abbre- chen, weil sie merken, dass eine duale Ausbil- dung für sie doch der bessere Weg ist. Mit Stu- dienabbrechern, die relativ schnell einen neuen Weg einschlagen wollen, machen wir tatsäch- lich sehr gute Erfahrungen. Interessant ist, dass die Generation Z, also die Jahrgänge, die jetzt in die Ausbildung gehen, wieder geordnete Struk- turen suchen. Was heißt das? Früher war die Neigung größer, zum Beispiel auch mal sehr spät zu arbeiten und dafür tags- über Freizeit zu haben. Die neuen Jahrgänge wollen klare Arbeitszeiten. Sie wollen bei- spielsweise ganz sicher sein, dass sie sich um 18.30 Uhr mit ihren Freunden treffen können. SCHWERPUNKT | Interview

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