Berliner Wirtschaft Februar 2021

FOTOS: AMIN AKHTAR S eit 1977 ist Ellen Redlich für den Phar- maproduzenten Berlin-Chemie tätig, davon über 25 Jahre im Personalbe- reich. Den Ausbildungsbereich verant- wortet sie mittlerweile seit 18 Jahren. Nachdem sie jahrelang Jugendliche aus der Generation Y beim Sprung in das Berufsleben begleitet hat, geht es nun darum, die Generation Z für das Unternehmen zu begeistern. Berliner Wirtschaft: Wie schwierig ist es derzeit für Berlin-Chemie, gute Bewerber für Ausbildungsstellen zu bekommen? Ellen Redlich: Wir können uns im Moment nicht beklagen. Die Zahl der Bewerbungen für unsere 25 Ausbildungsstellen ist zuletzt sogar wieder auf 1.200 gestiegen. Wir haben als Berliner Unternehmen den Vorteil, dass wir attraktiv für junge Menschen aus anderen Regi- onen sind. Für andere Firmen ist es sicherlich schwieriger. Brauchen Sie bei so vielen Bewerbern überhaupt ein Employer Branding für junge Leute? Ich glaube, dass heute jedes Unternehmen an seinem Image als guter Arbeitgeber arbeiten muss. Wir haben sehr viel getan, und das spie- gelt sich dann auch in den hohen Bewerber- zahlen wider. Sie müssen außerdembedenken, dass sich die Bewerberzahlen nicht gleichmä- ßig auf unsere Ausbildungsberufe verteilen. Es gibt auch Berufe, in denen es gar nicht so ein- fach ist, gute neue Leute zu finden. In welchen Berufen bilden Sie aus, und wo ist es schwer, Nachwuchs zu finden? Wir bilden in sechs Berufen aus. Sehr viele Bewer- bungen bekommenwir von jungen Frauen undMän- nern, die Chemielaborantenwerdenwollen. Das liegt wahrscheinlich an unseremNamen: Berlin-Chemie ist für angehende Chemielaboranten als Arbeitge- ber naheliegend. Auch bei Pharmakanten, Industrie- kaufleuten, Maschinen- und Anlagenführern sowie Mechatronikern sieht es gut aus. Schwieriger ist es bei Kaufleuten für Digitalisierungsmanagement. Da bekommen wir nur 30 bis 40 Zuschriften im Jahr. Auch für uns gibt es also gute Gründe, kontinuier- lich am Image zu arbeiten. Was reizt junge Menschen an Berlin-Chemie? Ich glaube, dass junge Menschen bei der Arbeit- geberwahl heute wieder sehr stark auf Sicherheit, Stabilität und Solidität achten. Berlin-Chemie steht für diese Werte. Wir sind mit mehr als 1.200 Mit- arbeitern am Standort das größte Unternehmen im Bezirk Treptow-Köpenick. In Corona-Zeiten ist das Bedürfnis nach Arbeitsplatzsicherheit sogar noch größer geworden. Das erklärt vielleicht auch, dass die Bewerberzahlen bei uns in diesem Jahr weiter gestiegen sind. Werden Sicherheit und Solidität allein an der Größe festgemacht? Nein, bei uns kommt hinzu, dass Pharma eine Zukunftsbranche ist. Unsere Bewerber sehen darin Hightech, mit der Menschen geholfen wird. Ein wei- terer Grund für unsere Attraktivität ist sicherlich auch die Vergütung. Die Tarifvergütung für Auszu- bildende in der Chemiebranche ist sehr gut. Junge Menschen wollen heute früh auf eigenen Beinen stehen, da spielt das Einkommen dann natürlich eine Rolle. » Ellen Redlich Personalreferentin Seit 1977 arbeitet Ellen Redlich für Ber- lin-Chemie. Zunächst absolvierte sie eine Berufsausbildung zur Facharbeiterin für Mess-, Steuer- und Regeltechnik. 1997 machte sie den Abschluss zur staatlich geprüften Personal- kauffrau. Traditionsun- ternehmen: Die Ursprünge von Berlin-Chemie in Adlershof gehen auf das Jahr 1890 zurück 23 IHK BERLIN  |  BERLINER WIRTSCHAFT 02 | 2021

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