Berliner Wirtschaft Februar 2021
AGENDA | Mittelstandskolumne Forschung muss auch auf Anwendung treffen Geht es um die Kooperation mit Universitäten, sind kleine und mittlere Unternehmen oft im Nachteil. Wie Unternehmer die Verträge zwischen Senat und Hochschulen verhandeln würden – vier Vorschläge für Berlin L euchttürme wie der Campus Adlershof, die zukünftige Urban Tech Republic und der Innovations-Campus in Siemens- stadt dürfen nicht darüber hinwegtäu- schen, dass die Kooperationsbereitschaft der Hochschulen aufgrund des niedrigeren Auf- wandes und der höheren Finanzkraft eher gro- ßen Industriepartnern gilt. Dass viele kleine und mittlere Unternehmen aufgrund fehlen- der Transparenz zu Angeboten und Ansprech- partnern in der Hochschule keine Koope- rationspartner finden, ist aber insbe- sondere für die kleinteilige Berliner Wirtschaftsstruktur von Nachteil. Zwar verantwortet in Berlin der Regierende Bürgermeister höchst- selbst die Geschicke der Wissen- schaft, bei der Ausgestaltung der Hochschulverträge bleibt aber viel Luft nach oben. Sie regeln die Höhe der Landeszuschüsse für jede Hochschule und schrei- ben Leistungsanforderungen fest. Ein guter Unternehmer verhandelt Verträge auf Basis eines Indikatorensystems, das den Erfüllungsgradmisst und Anreize setzt. Vorschlag 1: Hochschulen erhalten mehr Zuschüsse, wenn sie Kooperationen gezielt imBerliner Mittelstand abschließen. Kein Unternehmer würde ein wich- tiges Unternehmensziel ohne entspre- chende Verankerung im Management verfolgen. Vorschlag 2: Die bei den Hoch- schulen angewandter Forschung bereits eta- blierten Vizepräsidenten für Forschung und Transfer werden auch Standard in den Ber- liner Universitäten. Für die Vermarktung beschäftigt ein Unter- nehmen ein Vertriebsteam, das Kundenbezie- hungen aufbaut und pflegt. Der Vertriebsmitar- beiter im Forschungsbereich einer Hochschule ist der „Transferscout“. Dieser ist Schnittstelle zwischen den Forschungsbereichen imeigenen Haus und potenziellen Partnern in der Wirt- schaft. Vorschlag 3: Transferscouts werden über die Hochschulverträge grundfinanziert und auf ihre „vertrieblichen“ Aufgaben fokussiert. Um Innovationen aus dem eigenen Team heraus zu entwickeln, ermöglichen immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern Frei- räume. Vergleichbar dazu gibt es an Hochschu- len Forschungssemester für Professoren. Vor- schlag 4: Die Hochschulverträge regeln ana- log die Möglichkeit eines Transfersemesters für Professoren, um neues Wissen in Anwendung zu bringen. Natürlich lässt sich die Freiheit von For- schung und Lehre als Grundprinzip der deut- schen Wissenschaft nicht immer so leicht mit unternehmerischem Handeln in Verbindung bringen. Aber wie so oft lohnt ein Blick über den Tellerrand: Das amerikanische System vermarktet nicht nur die eigenen Forschungs- ergebnisse besser, sondern nicht selten auch die aus Deutschland. Das Indikatorensystemmuss jetzt entwickelt werden, damit es ab 2023Wir- kung entfalten kann. ■ Kompetenzteam Wenn Sie sich für unsere Arbeit interessieren, nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf unter: ihk-berlin.de/kompetenzteam Sebastian Stietzel Vorsitzender des IHK-Kompetenz teams Mittelstand und Geschäftsführer der Marktflagge GmbH, Management & Investments FOTO: CHRISTIAN KIELMANN
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