Berliner Wirtschaft Februar 2021
13 IHK BERLIN | BERLINER WIRTSCHAFT 02 | 2021 AGENDA | Vollversammlung um 15 Prozent ist eine erhebliche Bürde, gerade mit Blick auf die Zukunft“, so Kramm. Zwar habe es eine konzertierte Aktion unter anderem mit der Jugendberufsagentur zur Nachvermittlung gegeben. Leider habe sich gezeigt, dass in den zuständigen Stellen wie der Jugendberufsagen- tur der Kontakt zu den Jugendlichen ausgerechnet in diesem Jahr nicht eng genug war. „Wir kom- men nicht an die Jugendlichen ran, das Thema Ausbildung erreicht sie nicht, und die Betriebe kommen nicht an neue Azubis. Das ist keine gute Situation“, so Kramm. So ist es nur folgerichtig, dass das Thema Aus- bildung im Arbeitsprogramm 2021 eine zentrale Rolle spielt. Geplant ist unter anderemder Launch der Plattform ausbildung.berlin. Damit gäbe es erstmals in Berlin eine Internetseite, auf der tat- sächlich alle angebotenen freien Ausbildungs- plätze zu finden sind. Auch der Start des Talente Checks mit dem Showroom zur Ausbildung steht in diesem Jahr an. Natürlich werden Corona und die Folgen die Arbeit der IHK in diesem Jahr ebenfalls maß- geblich bestimmen. Dazu gehört unter anderem, Finanzierungsbedarfe Berliner Unternehmen sichtbar zu machen und Unterstützung der Poli- tik einzufordern sowie Vorschläge für Konjunk- turimpulse zu erarbeiten und sich beim Senat für deren Umsetzung einzusetzen. Das Thema Digi- talisierung ist ein weiteres Arbeitspaket für die- ses Jahr. Dabei geht es sowohl um die Digitali- sierung in der Wirtschaft und die Bedarfe der Unternehmen als auch um die Digitalisierung in Schule und Verwaltung mit den wichtigen Bau- steinen digitale Infrastruktur, IT-Sicherheit und Governance-Struktur. Nachhaltigkeit wichtiges Thema 2021 Der vierte Baustein im Arbeitsprogramm 2021 ist der Klima- und Umweltschutz. Nachhaltig- keit wird eines der wesentlichsten Themen in die- sem Jahr sein, sei es bei den Service-Angeboten im eigenen Haus sowie bei der politischen Positi- onierung etwa mit Blick auf dieWasserstoff- und Wärmestrategie des Landes oder bei Themen wie Gebäudesanierung und Stadtentwicklung. Und dann ist 2021 natürlich ein sogenanntes Superwahljahr, auch in Berlin. Hier hat sich die IHK Berlin die Aufgabe gestellt, Wahlprüfsteine zu erarbeiten und in politischen Gesprächen zu plat- zieren, den Mitgliedern die Möglichkeit zu bieten, in den sogenannten Elefantenrunden mit Spit- zenpolitikern die Anliegen der Wirtschaft direkt zu diskutieren. Nach der Wahl wird die Kammer die Koalitionsverhandlungen eng begleiten. Mit gemischten Gefühlen blickt die IHK allerdings auf den bevorstehendenWahlkampf, die Befürch- tung ist groß, dass Entscheidungen zunehmend unter wahlkampftaktischen Gesichtspunkten gefällt oder verschleppt werden. „Mitten in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg darf das nicht passieren“, mahnte IHK-Präsidentin Kramm und appellierte an die Politik, die not- wendige Krisenbewältigung nicht dem Wahl- kampf unterzuordnen. Blaues Auge durch sofortigen Ausgabestopp Traditionell wird in der ersten Sitzung des Jahres auch der Haushalt verabschiedet. Erwartungsge- mäß führten hier ebenfalls Corona und die Fol- gen Regie, die Lage der Berliner Unternehmen wirkt sich auf die finanzielle Situation der Kam- mer aus. „Für das Jahr 2020 sind wir noch mit einemblauen Auge davongekommen, unter ande- rem, weil wir mit einem sofortigen Ausgabestopp reagiert haben“, erläuterte Beatrice Krammeinlei- tend. Für den Haushalt 2021 habe man unter drei strategischen Prämissen umfassende strukturelle Entlastungen vorgenommen: 1. Nicht amMitglied zu sparen, dabei Fachkräfte als Standbein zu stär- ken und Nachhaltigkeit als Thema deutlich aus- zubauen. 2. Fokussierung in der politischen Arbeit und 3. interne Ressourcen stärker zur Gegenfi- nanzierung heranzuziehen und interne Services zurückzufahren. Wie sich diese Prämissen auf denWirtschafts- plan 2021 auswirken, erklärte im Anschluss Ute Witt, IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende der Etatkommission. Demnach sieht die Planung eine strukturelle Entlastung in Höhe von rund fünf Mio. Euro vor. Erzielt wird dies unter anderem durch Minderaufwände bei Personal- und Sach- aufwendungen, Mehreinnahmen durch die Ver- mietung zusätzlicher Flächen im Ludwig Erhard Haus, den Ausbau kostenpflichtiger Angebote und Gebührenanpassungen sowie durch die Verschie- bung rücklagenfinanzierter Aufwendungen zur Entlastung der Liquidität. Ein Plan, der von den VV-Mitgliedern einstimmig angenommenwurde. Normalerweise stünde am Ende der Sitzung „Neujahrsempfang“ auf der Tagesordnung. Aber „normal“ ist zu Beginn dieses Jahres mit Corona eben nicht viel, und so endete die VV mit einem Winken auf vielen Bildschirmen und der Hoff- nung, dass die Impfkampagne für eine schritt- weise Entspannung der Lage sorgt. ■ Die Mitglieder der Vollversammlung waren online zuge- schaltet, anwesend waren IHK-Haupt- geschäftsführer Jan Eder, IHK-Prä- sidentin Dr. Beatrice Kramm und IHK-Geschäfts- führer Personal & Finanzen, Stephan Wolter (v. l.) Dr. Beatrice Kramm IHK-Präsidentin Wir kommen nicht an die Jugendlichen ran, und die Betriebe kommen nicht an neue Azubis. Das ist keine gute Situation.
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