Berliner Wirtschaft 1/2021

Azubis im Gastronomie- und Hotelfach haben es derzeit schwer. Die gute Nachricht: In einigen Betrieben geht’s weiter – ohne Gäste von Katja Falkenberg Lernen trotz Lockdown D ie Gastronomie und Hotellerie leidet besonders unter demnun schon zweiten Lockdown. Darunter sind auch viele Aus- bildungsbetriebe – einige mussten nun für immer ihre Türen schließen. Damit die Aus- zubildenden, insbesondere in den Berufen Koch/ Köchin, Hotelfachmann/-frau sowie Restaurant- fachmann/-frau, ihre Ausbildung trotzdem fort- setzen können, eröffnete in Lichtenberg das soge- nannte Ausbildungshotel. In enger Abstimmung zwischen der Senats- verwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, Dehoga, NGG und IHKwurde der Bildungsdienst- leister inab beauftragt, das Ausbildungshotel kon- zeptionell zu gestalten. Dabei kooperiert inab mit dem Abacus Tierpark Hotel, sodass alle Ausbil- dungsprozesse in Hotel und Restaurant abgebil- det werden können. Neben den Azubis aus insol- vent gegangenen Betrieben wurden auch Azubis aufgenommen, denen in der Probezeit gekündigt wurde. Die jungen und motivierten Menschen sollen der Branche möglichst erhalten bleiben, und deshalb bekamen sie schnell und unbüro- kratisch einen neuen Ausbildungsvertrag, sogar mit tariflicher Ausbildungsvergütung. Bis zum Ende des letzten Jahres konnten so 18 Auszubildende ihre Ausbildung fortführen. Im Januar können nun noch einmal bis zu 18 Aus- zubildende einsteigen – dies sind wichtige Fach- kräfte für morgen, die in der Gastronomie und Hotellerie, aber auch in der Gemeinschaftsver- pflegung benötigt werden. Der Berliner Senat ist bereit, bis zu 100 Azubi-Plätze dieser Art zu finan- zieren und auch noch weitere Ausbildungshotels oder Ausbildungsrestaurants in der Stadt zu eröff- nen. Außerdem ist geplant, dass sowohl Prüfungs- vorbereitungen sowie Kooperationsausbildungen angeboten werden sollen, sodass Ausbildungsbe- triebe ihre Azubis für einzelne Module ins Aus- bildungshotel entsenden können. Auch gastronomische Betriebe bemühen sich trotz Lockdown darum, die Ausbildung auf- rechtzuerhalten. Ein Beispiel ist der Zollpack- hof gegenüber dem Bundeskanzleramt. Das Res- taurant und der Eventbereich sind für die zwölf Azubis immer noch offen. Sie lernen in Küche und Service besondere Ausbildungsinhalte ken- nen, für die im Alltag sonst nur wenig Zeit ist. So stellten sie gemeinsam Pasta selbst her und bereiteten Gerichte mit selbst gesammelten Pil- zen zu. Zudem lernten sie auf Ausflügen Liefe- ranten kennen, wurden in Weinkunde geschult, und der Chef-Patissier aus demMelia Hotel kam vorbei, ummit den Auszubildenden Lebkuchen und Stollen zu backen. Außerdem schickte der Zollpackhof zwei Mitarbeiter zum Vorberei- tungslehrgang auf die Ausbildereignungsprü- fung, damit diese später als Ausbilder im Betrieb eingesetzt werden können. ■ FOTOS: ZOLLPACKHOF GASTRONOMIE GMBH, FOTOSTUDIO CHARLOTTENBURG Katja Falkenberg, IHK-Ausbildungsberatung Tel.: 030 / 315 10-472 katja.falkenberg@berlin. ihk.de Informationen zum Ausbildungshotel und zur Ausbildungsprämie Marcus Striek, inab-Koordinator Tel.: 0151-61 55 72 08 ausbildungshotel-berlin@inab-jugend.de ihk-berlin.de/ ausbildungspraemie Ausbildung in der Krise: Der Zollpackhof und das Ausbildungshotel machen’s möglich 47 IHK BERLIN  |  BERLINER WIRTSCHAFT 01 | 2021 FACHKRÄFTE | Ausbildung

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